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westfalium.de - Sieben Künstler aus Münster

Rund 120 Gäste waren gekommen, um sie zu feiern:

Die sieben Künstler, die die Galerie Linke in Wolbeck bis zum 28. Juni präsentiert. Das Motto der Ausstellung: Sieben Künstler, sieben Lebensläufe und sieben ganz unterschiedliche Kunstrichtungen. Darunter einige Entdeckungen. Dr. Thomas Robbers, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Münster, eröffnete die Ausstellung mit einer launigen Laudatio.


Galerist Rudi Fred Linke, selber einer der Künstler, der mit seinen Arbeiten vertreten ist, hat eine ungewöhnliche und inspirierende Ausstellung aufgeboten. Die Klammer, die bei aller Unterschiedlichkeit alles zusammenhält: die Verbindung der Künstler zu Münster und die höchst persönliche Auswahl des Galeristen. Dabei ist die Galerie inmitten von Wolbeck selber schon eine Entdeckung. In einer liebevoll restaurierten Wassermühle, Baujahr 1876, hat sie ihre Heimat gefunden. Auf drei Ebenen und auf mehr als 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden mehr als 50 Gemälde, Fotos und Skulpturen präsentiert, so als wolle man einem gestandenen Museum den Rang ablaufen.
 

Anne Espenkott ist eine der glorreichen Sieben, die unter dem Label „Künstler Münster“ mit einer Reihe von Gemälden ausgestellt wird. Die in Münster geborene Malerin zeigt Arcrylarbeiten, Abstraktes und Gegenständliches gleichsam aus einem Traum entsprungen. Markante Frauenbilder, die im Gedächtnis haften bleiben. Den Auftrag des Künstlers formuliert sie so: “Der Mensch braucht eine Ahnung von der Freiheit jenseits der eigenen Grenzen.” Sie sagt: “Kunst zeugt von dem nötigen Übermut, der Grenzen zu sprengen vermag.”

Der aus Syrien stammende Bahram Hajou stellt bereits zum zweiten Mal in der Galerie Linke aus. Seine neo-expressionistischen Arbeiten faszinieren einen immer wieder aufs Neue. Seine Handschrift ist unverkennbar, seine leuchtenden, satten Farbflächen erzeugen pure Emotion. Schwarz trifft Gelb oder Schwarz trifft Kobaltblau. Das Auge mag in den Farben fast versinken. Seinen aussagekräftigen Gemälden kann man sich nur schwerlich entziehen.


Auch die Arbeiten von Rudi Fred Linke selber sind voller Wucht und Kraft. Sein Thema heisst Sylt. Linke hat sich von der markanten Kontur der Insel inspirieren lassen, spinnt sie assoziativ weiter, lässt sie zu einer wirbelnden Tänzerin werden. Die Variationen scheinen eine Geschichte erzählen zu wollen. Die satte Farbigkeit spricht keine leisen Töne. Fast möchte man meinen, dass das übersprühende Temperament den Betrachter von der Leinwand aus anspringt. Linke sagt: „Bewegt sich nichts in uns, können wir das vor uns vergessen.“ Seine Bilder und Skulpturen erscheinen wie die Beweisführung zu seinem Credo als Künstler.

Der Bildhauer Ulrich Pätsch ist in Münster kein Unbekannter. Über Jahre hat er gewissermaßen als Guerilla-Künstler die Münsteraner über Nacht mit stählernen Skulpturen überrascht, erfreut und wohl auch bewusst provoziert. Seine rostenden Figuren und Objekte sind wie Nadelstiche, sie fordern zur Auseinandersetzung heraus. An seinen bizarren Gestalten kommt niemand ungerührt vorbei. Sie stellen sich einem in den Weg. Wie ein Geistesblitz lauern sie einem auf – oft an ungewöhnlichen Orten so wie in Wolbeck, wo eine Nixe aus der verbeifließenden Angel zu entsteigen scheint.

Frank Roters ist einer, den es von Münster aus in die weite Welt gezogen hat. Ein Grenzgänger also, der sich nicht eindeutig einem Genre zuordnen lässt oder in eine Schablone passt. Er braucht Kunst zum Leben wie die Luft zum atmen. Einfallsreich, witzig und preiswürdig sind seine Kurzfilme und Videos, die man sich bei Youtube herunterladen kann. Seine Gemälde, die bei Linke ausgestellt werden, muten wie knallbunte Comics oder süssliche Mangas an. Roters huldigten den Hollywood Stars vergangenen Zeiten.

Günter Steinau ist der Fotograf in dem Künstler-Reigen, dessen Arbeiten bei Linke zu sehen sind. Er kommt aus Dortmund und ist bekennender Münsteraner. Seine Verbindung zu dieser Stadt: “Meistens wache ich hier morgens auf, hier verbringe ich den Großteil meines Tages, hier sind die Menschen, die mir viel bedeuten – in Münster, meinem lebenswertesten Ort.” Seine Fotos, die er überall auf der Welt auf seinen Reisen geschossen hat, zeugen von einem höchst sensiblen Blick, der vor allem Proportionen und Spannungen, Farben und Formen in eine kongeniale Komposition bringt. Nicht der gefrorene Moment oder ein Schnapschuss stehen im Vordergrund, sondern die sorgsam ausgewählte Perspektive und die Gestaltung, die ein malerisches und ein erzählerisches Moment in das Foto bringen. Mit der verharrenden Schuhspitze in einer Türe beginnt eine neue Geschichte. Steinau ist eigentlich ein Lichtbildner.

 

Der siebte Künstler, Alexander G. Zakharov, kommt von weit her. Zakharov ist in Kiew, in der Ukraine geboren. Mit Münster verbindet ihn schlicht und einfach: seine Frau. Seine archaischen Skulpturen, seine kubistisch anmutenden Zeichnungen und Gemälde sprechen eine eigene, kraftvolle Sprache. Große Namen kommen einem in den Sinn, wenn man die wuchtigen Gemälde sieht – allen voran kein geringerer als Pablo Picasso. Doch während dieser das südländische Temperament, Lebensfreude und Lebenslust feiert, sieht jener mit einem melancholischen Blick auf die Welt.
 

Münsters Künstler”, die Ausstellung in Wolbeck ist ein Tauchbad der Gefühle und Eindrücke. Weit ist der Bogen gespannt – wie in Münster, der kunstbeflissenen Stadt, in der sich Kunst und Kommerz gegenseitig die Hand reichen. Kunst also ein Wirtschaftsfaktor? Nein, das nicht, obwohl die Kunstakademie, zahlreiche Museen und noch mehr Galerien viele Impulse geben. Kunst und Kultur bilden das besondere Flair in dieser Stadt, so dass es sich hier so trefflich leben und auch arbeiten lässt. Insofern ist diese Ausstellung – zumindest indirekt – auch eine Liebeserklärung an Münster.

 

Quelle: www.westfalium.de | 30. April 2012

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