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New York, Paris, Wolbeck

Galerie Rudi Fred Linke zeigt 51 Werke des kurdischen Neoexpressionisten Bahram Hajou

„Da macht man eine Europa-Reise und der gute Mann sitzt hier vor der Tür“, sagte Galerist Rudi Fred Linke am Rande der Vernissage am Samstag in Wolbeck. Begreifbare Kunst zu zeigen, ist das Anliegen des neuen Galeristen, eine Rundreise durch Europa brachte 2011 wenig. Über Freunde stieß er auf Bahram Hajou, Jahrgang 1952, einen kurdischen Syrer, der zunächst im Irak Ingenieurwesen studierte. Er floh über Prag, studierte Kunst und Sport, ist lange schon in Deutschland daheim. Sein Atelier steht am Haverkamp in Münster, seine Werke längst in der ganzen Welt: Dubai, Krakau, London und Riadh. Zunächst wählte Hajou 31 Werke aus, die auch in dem aufwendigen Katalog zu sehen sind. Dann würdigte er Linkes Engagement für die Ausstellung – und holte weitere 20 Großgemälde dazu, auch aus dem Ausland. „New York, Paris, Wolbeck“ steht so im Umschlag, freute sich Linke im Beisein des Künstlers.

Zahlreiche Gäste kamen am Samstag in das Gebäude der ehemaligen Wassermühle an der Angel, um die 51 Werke zu sehen. Wie man in ihnen lesen kann, zeigte Dr. Jörg Twenhöven, ehemals Oberbürgermeister und Regierungspräsident in Münster, auch Besitzer dreier Werke des Maler-Poeten. Darüber komme er häufig mit Gästen ins Gespräch, erzählte er. Denn es sind Menschenbilder.

Ein „kritischer Freund“ sei er, so Twenhöven, kein Kunstsachverständiger, aber Liebhaber aktueller Kunst. Hajous Werke solle man länger und öfter betrachten, über den ersten Augenschein hinaus, der unpersönlich und abweisend erscheinen könne, zog er die Konsequenz aus dem Leben mit seinen Gemälden von Hajou. „Schaut man nämlich genauer hin, wird man provoziert“. Der Blick des Gemalten geht nicht ins Leere, es ist der Betrachter, der betrachtet wird, nicht abweisend, aber distanziert. „Es ist erstaunlich, was man aus diesem Bild herausholen kann.“

Es gehe in seinen Werken um eine menschliche Not in den Beziehungen, um menschliche Wärme und Zuneigung – „und sucht der Mensch auch diese Zuwendung?“ Nicht einander zugewandt seien die Menschen in diesen Werken, aber miteinander verbunden. Farbe und Pinselstrich dokumentierten, dass der Künstler mit großer Erregung gemalt habe. „Es fordert zur Auseinandersetzung auf und zum Dialog.“ Hajou dankte Twenhöven für seine Interpretation.

Bei kurdischer Bouzouki-Livemusik und Kutilk als Gaumenschmeichlern verweilten die Gäste noch eine ganze Zeit.

► Bis zum 28. März können Besucher die Gemälde samstags und sonntags in der Zeit von 12 bis 17 Uhr sehen.

 

Quelle: Westfälische Nachrichten