Futter für die Fantasie - Elke Fontein zeigt ihre mehrschichtigen Werke in der Galerie Rudi Fred Linke

Die Galerie war voll wie nie, freute sich der Galerist Rudi Fred Linke am Samstag zur Vernissage am nebelumhüllten Mühlendamm. Auch die Stehplätze in der dritten Etage waren knapp, als er an den Start der Galerie vor zwei Jahren erinnerte. „Wenn jemand sagt, Münster sei nicht kulturbewegt, keine Kulturmetropole – der lügt. Das hier ist der Beweis“, sagte Linke und wies auf den Saal.

 

Der Nachmittag stand nach früheren Ausstellungen zur fantastischen Malerei, Fotografie oder dem Hyperrealismus ganz im Zeichen des „Informel“. So Schlagwort zur Ausstellung mit Werken von Elke Fontein. 58 großformatige Werke stellt sie aus.

„Informel“ zu definieren verweigerte Linke und der Laudator, Dr. Jörg Bockow, schloss sich an – zugunsten einer Betrachtung des Wesens der Malerei von Fontein. Darin gebe es „ungemein viel zu entdecken“. Es sind „keine großen Dekorationsstücke“, so Bockow, „sie fordern Aufmerksamkeit ein, sie ziehen magisch den Blick an, sie geben der Fantasie Futter“.

„Elke Fontein liebt Farbe“ betonte der Laudator und verwies als ein Beispiel auf das Triptychon hinter sich. Zu Farben und zu suchenden Formen gesellt sich eine lyrische Ebene – sowieso ist Vieles ist von Lyrik inspiriert, von Johannes Bobrowski oder auch Sarah Kirsch: „Die Luft riecht schon nach Schnee“. So erhielt die Ausstellung den Titel: „Spuren und Verdichtungen“. Teils sind es ganze Gruppen von Werken, in die Zeilen von Gedichten einflossen. Für ihre größte Ausstellung hat Fontein sie in diesem Sinne arrangiert. Dem flüchtigen Betrachter erschließe sich das nicht, so Fontein. Neu geschaffen für diese Ausstellung sei allein das Triptychon „Immer zu benennen“, sagt Fontein. Die drei Gemälde, je 75 mal 165 Zentimeter groß mit Acryl und Ölpastell sowie Farbstiften auf Hartfaserplatte, spiegeln in sich die Breite von Fonteins Einsatz von Farbe und Licht.

Fontein wohnt und arbeitet in Münster. Ihre Eltern waren von Anklam nach Gronau gezogen; in Münster studierte sie Germanistik und Kunst. Seit ihrer Pensionierung als Lehrerin freut sie sich über mehr Zeit für ihre Kunst.

Zur großen Überraschung der Künstlerin präsentierte nach der Laudatio ihr Mann, Hans-Jürgen Fontein, die von Linke verlegte Dokumentation der Ausstellung mitsamt einer Einführungen von Bockow und einer Vita auf 149 Seiten. Die Plastizität und Strahlkraft ihrer Werke gibt es indes nur in der Ausstellung zu sehen.
 

 

Von Andreas Hasenkamp

Quelle: Westfälische Nachrichten | 18.11.2013