Eine Poesie der Farben - Münster-Wolbeck - Malerin Elke Fontein stellt 60 Gemälde in der Rudi-Fred-Linke-Galerie aus.

Mal herrscht Türkis vor, mal Strohgelb, Kobaltblau oder Blutrot. Die Acrylfarben, die Elke Fontein in ihren abstrakten, freien Arbeiten einsetzt, leuchten, changieren, haben einen eigenen Charakter. Sie sind lebendig und kraftvoll, dynamisch und spannungsreich wie das Leben selbst. „Poesie der Farben“ heißt die Ausstellung in der Rudi-Fred-Linke-Galerie. Die Galerie zeigt vom 17. November bis zum 12. Januar 2014 mehr als 60 Gemälde der Malerin Elke Fontein aus Münster.

Die Farbräume, die sie zu ihrem kreativen Arbeitsprozess inspirieren, werden zu Beginn zufällig und formlos aufgetragen. Sie beginnt „frei wie ein Vogel“, so wie es ihr großes Vorbild, der Hagener Maler Emil Schumacher einmal beschrieben hat. Im Verlauf des Prozesses bilden sich Formen und Strukturen, schließlich eine Komposition heraus.

Das sei ein vom Verstand gesteuerter Weg, heißt es in der Ankündigung zu der Ausstellung. Zunächst lässt sie sich überraschen von dem, was sich auf der Leinwand entwickelt, erarbeitet sich nach und nach in kleinen Schritten eine stimmige Bildaussage.

„Ich nutze den Zufall als ‚zweite schöpferische Instanz‘“, sagt Elke Fontein. „Unvorhersehbares und Unplanbares werden in den Gestaltungsprozess einbezogen – aber auch wieder verworfen.“

In den Details auf der Leinwand lässt sich der Malprozess erahnen. Der Zufall konkurriert mit dem Gewollten. Etwas Neues entsteht durch Überlagern und Übermalen, durch Entfernen und Zerstören. Aus planlosem Tun wird planvolles Machen. Sachte und schrittweise, aber mit Beharrlichkeit, Konsequenz und großer Kreativität nähert sich Elke Fontein dem großen Spannungsbogen und der inneren Gesetzmäßigkeit, die jedem Bild zugrunde liegen.

Elke Fontein stellt ihre Arbeiten unter die Stichworte „Spuren und Verdichtungen“. In letzterem versteckt sich eine Anspielung. Denn in den Gemälden gibt es Assoziationen zur Literatur, oft zur Lyrik. „Manchmal werden – nicht nur in den Titeln – Verse, Wörter, kurze Sätze und Redewendungen in den Malprozess einbezogen, die sich im Zusammenhang mit dem Bild ‚verdichten‘ können.“

Vieles was und wie Elke Fontein malt, ist zugleich eine tiefe Verbeugung vor den Größen des „Informel“. Die Arbeiten erinnern an deren Arbeitsweise. Sie erscheinen wie eine Reverenz an Emil Schumacher, Cy Twombly und Antoni Tàpies. Doch ihre farbenfrohen Gemälde sind eher der „Lyrischen Abstraktion“ zuzuordnen. Sie sprechen eine eigene Sprache und haben eine eigene Topographie. Die Arbeiten von Elke Fontein sind für sich ein sinnliches Erlebnis.

 

Von Andreas Hasenkamp

Quelle: Westfälische Nachrichten | 8.11.2013